Alopecia areata_ Ursachen und Behandlung

Alopecia areata – Ursachen, Symptome, Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten

Alopecia areata, häufig auch kreisrunder Haarausfall genannt, ist eine entzündliche Autoimmunerkrankung, bei der Haare an einzelnen oder mehreren Körperstellen ausfallen können. Besonders häufig ist die Kopfhaut betroffen. Die Erkrankung kann jedoch auch Augenbrauen, Wimpern, Bart und andere behaarte Körperregionen betreffen.

Für Betroffene wirft die Diagnose häufig Fragen auf: Warum fallen die Haare aus? Können sie wieder nachwachsen? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und was bedeutet die Erkrankung für den Alltag?

Dieser Ratgeber erläutert die wichtigsten medizinischen Grundlagen anhand anerkannter Fachleitlinien und Informationen der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA).

Was ist Alopecia areata?

Bei Alopecia areata richtet sich eine fehlgeleitete Immunreaktion gegen Strukturen der Haarfollikel. Dadurch wird das normale Haarwachstum gestört. Die Erkrankung ist nicht ansteckend und kann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auftreten.

Im Unterschied zu vernarbenden Formen des Haarausfalls bleiben die Haarfollikel bei Alopecia areata grundsätzlich erhalten. Deshalb ist erneutes Haarwachstum möglich. Ob, wann und in welchem Umfang Haare nachwachsen, lässt sich im Einzelfall jedoch nicht zuverlässig vorhersagen.

Medizinische Grundlage: Deutsche S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Alopecia areata“, AWMF-Registernummer 013-104, Stand 18. September 2025, veröffentlicht am 23. Februar 2026. Originalleitlinie bei der AWMF.

Welche Symptome treten auf?

Typisch sind umschriebene, häufig rundliche oder ovale haarlose Stellen. Die betroffene Haut erscheint meist glatt. Je nach Krankheitsform können einzelne kleine Bereiche oder große Teile der Behaarung betroffen sein.

Mögliche Erscheinungsformen sind:

  • Begrenzte Alopecia areata: Einzelne oder mehrere haarlose Stellen, beispielsweise auf der Kopfhaut.
  • Alopecia totalis: Vollständiger Verlust der Kopfbehaarung.
  • Alopecia universalis: Verlust der Kopf- und Körperbehaarung.
  • Weitere Verteilungsmuster: Beispielsweise bandförmiger Haarverlust im Bereich des Hinterkopfes und der Schläfen.

Auch Veränderungen der Nägel können vorkommen, beispielsweise kleine punktförmige Vertiefungen der Nageloberfläche.

Nicht jede plötzlich auftretende haarlose Stelle ist automatisch Alopecia areata. Andere Ursachen des Haarausfalls müssen gegebenenfalls ausgeschlossen werden.

Welche Ursachen hat Alopecia areata?

Nach heutigem wissenschaftlichem Verständnis handelt es sich um eine immunvermittelte Erkrankung. Dabei spielen Veränderungen der Immunregulation und eine genetische Veranlagung eine Rolle.

Die genauen Auslöser sind nicht bei allen Betroffenen bekannt. Die Erkrankung lässt sich daher nicht auf eine einzelne Ursache reduzieren.

Ist Stress die Ursache?

Psychische Belastungen können für Menschen mit Haarausfall eine große Rolle spielen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Stress die alleinige Ursache einer Alopecia areata ist.

Betroffene sollten deshalb nicht den Eindruck bekommen, sie hätten ihre Erkrankung durch ihr Verhalten selbst verursacht.

Ist Alopecia areata erblich?

Genetische Faktoren können zur Anfälligkeit beitragen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Kinder betroffener Eltern zwangsläufig ebenfalls erkranken.

Die Entstehung gilt als komplexes Zusammenspiel mehrerer biologischer Faktoren.

Wie wird Alopecia areata diagnostiziert?

Die Diagnose wird in der Regel durch eine dermatologische Untersuchung gestellt. Dabei werden unter anderem das Verteilungsmuster des Haarausfalls, die Kopfhaut, die Haarstruktur und gegebenenfalls die Nägel beurteilt.

Eine Untersuchung mit einem Dermatoskop beziehungsweise Trichoskop kann zusätzliche Hinweise liefern.

Ob weitere Untersuchungen erforderlich sind, hängt vom individuellen Befund ab. Blutuntersuchungen oder eine Gewebeprobe sind nicht bei jeder betroffenen Person automatisch notwendig.

Wichtig: Plötzlich auftretender, fortschreitender oder ungewöhnlicher Haarausfall sollte ärztlich abgeklärt werden. Eine Selbstdiagnose anhand von Fotos oder Internetbeschreibungen reicht nicht aus.

Quelle: Blume-Peytavi U. und weitere Autoren: „S3 guideline diagnostics and therapy of alopecia areata – Part 1: Diagnostics and epidemiology“, Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, online veröffentlicht am 19. März 2026. DOI: 10.1111/ddg.70065x.

Wie verläuft die Erkrankung?

Der Verlauf einer Alopecia areata ist unterschiedlich. Bei manchen Menschen wachsen Haare nach einer gewissen Zeit wieder nach. Andere erleben wiederkehrende Krankheitsschübe oder einen länger anhaltenden Haarverlust.

Auch nach erneutem Haarwachstum kann es später zu einem Rückfall kommen.

Die Ausprägung zu einem bestimmten Zeitpunkt erlaubt deshalb keine sichere Vorhersage über den weiteren Verlauf.

Bei der ärztlichen Beurteilung können unter anderem das Alter bei Erkrankungsbeginn, das Ausmaß des Haarverlusts, die bisherige Krankheitsdauer und zusätzliche Befunde berücksichtigt werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Auswahl einer Behandlung hängt unter anderem von der Ausprägung der Erkrankung, dem Alter, bisherigen Therapien, möglichen Begleiterkrankungen und den persönlichen Behandlungszielen ab.

Nicht jede betroffene Person benötigt dieselbe Therapie. Insbesondere bei einer milden Erkrankung müssen mögliche Vorteile einer Behandlung gegen Nebenwirkungen und Belastungen abgewogen werden.

Kortikosteroide

Kortikosteroide wirken entzündungshemmend und gehören zu den etablierten Behandlungsmöglichkeiten bei Alopecia areata.

Je nach Situation können äußerlich angewendete Präparate oder örtliche Injektionen in Betracht kommen. Bei bestimmten schweren oder rasch fortschreitenden Verläufen werden auch systemische Behandlungen ärztlich geprüft.

Welche Anwendung geeignet ist, muss individuell entschieden werden. Insbesondere stärkere Kortikosteroide können unerwünschte Wirkungen verursachen.

JAK-Inhibitoren bei schwerer Alopecia areata

Für schwere Formen der Alopecia areata stehen inzwischen zielgerichtete Arzneimittel zur Verfügung, die bestimmte Signalwege des Immunsystems hemmen. Sie werden als Januskinase-Inhibitoren beziehungsweise JAK-Inhibitoren bezeichnet.

Zu den von der Europäischen Arzneimittel-Agentur beschriebenen Wirkstoffen gehören:

  • Baricitinib (Olumiant): Ein JAK-Inhibitor zur Behandlung schwerer Alopecia areata. Die EMA-Produktinformationen enthalten die jeweils geltenden zugelassenen Altersgruppen und Anwendungsbedingungen.
  • Ritlecitinib (Litfulo): Ein Wirkstoff zur Behandlung schwerer Alopecia areata bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren.

In klinischen Studien erreichte ein Teil der behandelten Personen eine deutliche Verbesserung des Haarwachstums. Ein Erfolg tritt jedoch nicht bei allen Betroffenen ein.

JAK-Inhibitoren können schwerwiegende Nebenwirkungen haben. Dazu gehören insbesondere Risiken im Zusammenhang mit Infektionen und weitere in den Fachinformationen beschriebene Sicherheitsaspekte. Deshalb sind vor und während der Behandlung ärztliche Untersuchungen und Kontrollen erforderlich.

Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig und keine Mittel zur eigenständigen Behandlung.

Offizielle Arzneimittelquellen: Europäische Arzneimittel-Agentur, Olumiant – Zulassungsinformationen, zuletzt aktualisierte Produktinformation vom 13. Oktober 2026; sowie Litfulo – Zulassungsinformationen, EU-Zulassung vom 15. September 2023.

Weitere Behandlungsverfahren

In der dermatologischen Versorgung kommen abhängig von Krankheitsausprägung und individueller Situation weitere Behandlungsansätze in Betracht.

Allerdings ist nicht jedes angebotene Verfahren durch hochwertige klinische Studien ausreichend belegt. Die Tatsache, dass eine Behandlung im Internet häufig empfohlen wird, ist kein Wirksamkeitsnachweis.

Auch Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht ohne nachgewiesenen Mangel als wirksame Therapie gegen Alopecia areata dargestellt werden.

Kann Alopecia areata vollständig geheilt werden?

Eine Behandlung kann das Haarwachstum verbessern und bei manchen Menschen eine deutliche Rückbildung des Haarverlusts erreichen.

Eine dauerhaft garantierte Heilung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Rückfälle sind möglich, und auch erfolgreiche Behandlungen können eine längerfristige ärztliche Begleitung erfordern.

Besonders bei neuen Medikamenten ist es wichtig, zwischen nachgewiesener Wirksamkeit innerhalb klinischer Studien und noch offenen Fragen zur langfristigen Behandlung zu unterscheiden.

Welche Auswirkungen kann Alopecia areata auf die Lebensqualität haben?

Haarverlust ist nicht nur eine körperliche Veränderung. Für manche Betroffene beeinflusst er das Selbstbild, soziale Kontakte, Beziehungen oder das persönliche Wohlbefinden.

Andere Menschen kommen mit sichtbarem Haarverlust gut zurecht. Beide Erfahrungen sind ernst zu nehmen.

Bei erheblicher psychischer Belastung kann psychosoziale oder psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein. Die Entscheidung darüber sollte sich nach den individuellen Bedürfnissen richten.

Perücken, Haarersatz und andere Möglichkeiten im Alltag

Medizinische Behandlungen und kosmetische Lösungen schließen sich nicht gegenseitig aus. Manche Menschen entscheiden sich für eine Perücke oder ein Haarteil, andere bevorzugen Tücher, Mützen oder bewusst einen haarlosen Kopf.

Eine gute Lösung sollte sich an den eigenen Wünschen orientieren und nicht an Erwartungen anderer Menschen.

Ausführliche Informationen über Materialien, Verarbeitung, Tragekomfort, Pflege und mögliche Krankenkassenleistungen bietet unser Ratgeber Perücken & Haarersatz – Möglichkeiten, Auswahl und Alltag.

Wo gibt es weitere Informationen zu Forschung und Behandlung?

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse können die Möglichkeiten zur Behandlung von Alopecia areata verändern. Deshalb ist es sinnvoll, bei medizinischen Fragen auf aktuelle Fachleitlinien und offizielle Zulassungsinformationen zurückzugreifen.

Weitere wissenschaftlich eingeordnete Themen findest du auf Alopezie Netz im Bereich Aktuelles & Forschung.

Fazit: Alopecia areata ist behandelbar, aber individuell unterschiedlich

Alopecia areata ist eine Autoimmunerkrankung mit unterschiedlichen Erscheinungsformen und möglichen Verläufen. Eine dermatologische Diagnose ist wichtig, um andere Ursachen des Haarausfalls auszuschließen und geeignete Behandlungsmöglichkeiten zu besprechen.

Moderne Therapien eröffnen insbesondere bei schwerer Alopecia areata neue Möglichkeiten. Dennoch gibt es keine Behandlung, die bei allen Betroffenen dauerhaft erfolgreich ist.

Entscheidend ist eine medizinisch fundierte, individuelle Beratung, die sowohl mögliche Behandlungserfolge als auch Risiken und persönliche Bedürfnisse berücksichtigt.

Medizinische Quellen und weiterführende Fachliteratur

  1. Deutsche Dermatologische Gesellschaft / AWMF: S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Alopecia areata bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“. Stand: 18.09.2025, veröffentlicht: 23.02.2026, Version 1.1. AWMF-Registernummer 013-104. Originalquelle.
  2. Blume-Peytavi U. et al.: S3 guideline diagnostics and therapy of alopecia areata – Part 1: Diagnostics and epidemiology. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Online veröffentlicht: 19.03.2026. DOI: 10.1111/ddg.70065x.
  3. British Association of Dermatologists: Living guideline for managing people with alopecia areata 2025. British Journal of Dermatology. Veröffentlicht: 14.11.2025. DOI: 10.1093/bjd/ljaf452.
  4. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Olumiant (Baricitinib), Europäischer Öffentlicher Beurteilungsbericht. Produktinformation zuletzt aktualisiert am 13.10.2026. EMA-Originalquelle.
  5. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Litfulo (Ritlecitinib), Europäischer Öffentlicher Beurteilungsbericht. EU-Zulassung: 15.09.2023. EMA-Originalquelle.

Informationsstand: 29. Oktober 2026

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und basiert auf den oben genannten medizinischen Fachquellen. Wissenschaftliche Erkenntnisse, Arzneimittelzulassungen und Behandlungsempfehlungen können sich verändern.

Die Informationen ersetzen keine individuelle ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Therapieentscheidung. Bitte besprich persönliche medizinische Fragen mit einer entsprechend qualifizierten Ärztin oder einem Arzt.